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Blick durch das Schlüsselloch - Das Leben in einer bayerischen JVA

Passend zur Unterrichtssequenz „Strafrecht“ referierte Benjamin Schlegl von der JVA Straubing, dem bayerischen Hochsicherheitsgefängnis, über das Thema „Strafvollzug in Bayern“ im Q11-WR-Kurs von Hr. Zwicknagl. Schlegl, der selbst Kriminologie studiert hat, zeigte in seinen Ausführungen beispielsweise treffend auf, wie sich gesellschaftliche und politische Entwicklungen wie der Wegfall der Grenzkontrollen nach Osten, die Terrorbekämpfung im Zuge von 9/11 oder die Flüchtlingssituation auch in der Häftlingsstruktur niederschlagen. Generell weise Deutschland mit 0,83 Häftlingen pro 100.000 Einwohnern eine einigermaßen geringe Quote auf, nicht zu vergleichen mit den USA, wo sage und schreibe 7,31 Häftlinge auf die gleiche Einwohnerzahl kommen. In Bezug auf die Kosten sei der bayerische Strafvollzug in Deutschland mit 108 Euro im Mittefeld anzusiedeln. Detailliert stellte Schlegl dar, welche Haftbedingungen in Bayern gelten, dass beispielsweise der Haftraum in Straubing zwischen 8 und 10 Quadratmeter groß ist und auch ein Fernsehgerät pro Zelle erlaubt ist. Aus Sicherheitsgründen werde allerdings der Videotext aus dem empfangenen Signal entfernt, so Schlegl. Pro Monat dürfe man in Bayern eine Stunde Besuch empfangen, in Straubing ist dies angesichts der langen Haftstrafen, die dort in der Regel verbüßt werden müssen, auf bis zu fünf Stunden aufgestockt. Genau wurde auch auf den Alltag eines Häftlings eingegangen, so gehöre beispielsweise das Arbeiten als integraler Bestandteil der Haftzeit in den gut getakteten Tagesablauf eines jeden gesunden Inhaftierten. Verwundert zeigten sich viele Schülerinnen und Schüler, dass sich Organgensaft in der Straubinger JVA nicht im Getränkeangebot finden lässt. Dieser eignet sich, so Schlegl, zur unerwünschten Alkoholproduktion und wird deshalb vorenthalten. Erstaunt waren die Zuhörer auch über die vielen Originalgegenstände, die irgendwann im Zuge der zweimal pro Monat stattfindenden Zimmerkontrollen abgenommen wurden, darunter unter anderem eine selbst gebastelte Tätowiermaschine aus einem Elektrorasierer und einem Stabilo-Stift. Interessant war für viele auch, welches breite Angebot an beruflichen Möglichkeiten der Öffentliche Dienst auch im Bereich des Strafvollzugs bietet.

 D. Zwicknagl

 

 

Benjamin Schlegl von der JVA Straubing mit einem mitgebrachten Originalgegenstand,
einer von einem Häftling selbst gebastelten Tätowiermaschine.